Neophyten (deutsch: neue Pflanzen) sind Pflanzenarten, die bewusst oder unabsichtlich durch den Menschen eingeführt wurden. Die meisten dieser Arten verschwinden schnell wieder oder fügen sich problemlos in unsere Pflanzenwelt ein. Unter den Neophyten gibt es aber auch «invasive Arten», die sich auf Kosten einheimischer Arten massiv ausbreiten. Sie wachsen oder vermehren sich rasant und da sie keine natürlichen Fressfeinde haben, können sie einheimische Pflanzen mittel- oder langfristig verdrängen.

Neophyten im Gebiet der Alten Aare

japanischer_staudenknoeterich.jpg

Japanischer Staudenknöterich: Der aus dem Osten stammende Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) kann bis zu 3 m hoch werden. Die Verbreitung erfolgt meist über das kräftige, unterirdische Rhizom (unterirdische Sprossachsen, Ausläufer). Rhizomteile werden mit Grünabfällen aus Gärten, über Erde oder durch Gewässer verschleppt.  

goldrute.jpg

Kanadische/Spätblühende Goldrute: Die Goldrute ist die häufigste invasive Pflanze der Schweiz und kann wohl nicht mehr vollständig aus unserer Natur entfernt werden. Einzelne kleine Wurzelbruchstücke können sich zu ganzen Pflanzen regenerieren. In schützenswerten Pflanzenbeständen wird durch das Eindringen von Goldruten die natürliche Artenzusammensetzung gestört.

druesiges_springkraut.jpg

Drüsiges Springkraut: Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) stammt aus dem Himalaya. Die einjährige und raschwüchsige Pflanze regeneriert sich aus Samen, welche durch Schleuderkapseln und Verdriftung durch Gewässer effizient verbreitet werden.

sommerflieder.jpg

Sommerflieder: Der aus China stammende Schmetterlingsstrauch oder Sommerflieder ist in Grünanlagen und Gärten eine beliebte Zierpflanze. Als Lebensgrundlage für unsere Schmetterlinge bzw. ihre Raupen ist der Strauch jedoch kaum von Bedeutung. Die Pflanze kann unter günstigen Bedingungen dichte Bestände bilden.

einjaehriges_berufkraut.jpg

Einjähriges Berufkraut: Das Einjährige Berufkraut wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze aus Nordamerika nach Europa gebracht. Es breitet sich zunehmend aus, dringt in schützenswerte Gebiete vor und verdrängt die einheimische Flora.

riesen_baerenklau.jpg

Riesen-Bärenklau: Der Riesen-Bärenklau stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und tauchte Ende 19. Jahrhundert in Europa zum ersten Mal auf. Er kann während der Blütezeit über 3 Meter hoch werden und gleicht unserem einheimischen Wiesen-Bärenklau. Die ganze Pflanze enthält Stoffe (Furanocumarine), welche bei Berührung auf die Haut gelangen und zusammen mit Sonneneinstrahlung nach 24 bis 48 Stunden schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung verursachen können.

Bambus: Bambus kommt in Asien, Nord- und Südamerika sowie Australien natürlich vor. In der Schweiz hat sich der Bambus zu einer Trendpflanze gemausert. Problembambus ist vor allem der wuchernde Phyllostachys. Er breitet sich zuerst unbemerkt unterirdisch durch Rhizome (unterirdische Sprossachsen, Ausläufer) aus. Hält man den Bambus nicht in Grenzen, so besteht die Gefahr, dass er sich massiv ausbreitet und die einheimische Flora zurückdrängt.

Bekämpfung der Neophyten im Gebiet der Alten Aare
Der Wasserbauverband hat die Problematik der Neophyten früh erkannt. Ein fachgerechter Umgang mit invasiven Neophyten ist entscheidend, um die Bestände im Rahmen der vorgesehenen Baumassnahmen und der ökologischen Aufwertung zu bekämpfen und den Risiken einer Verschleppung und Verbreitung vorzubeugen.
Die erste Neophytenrunde startete im Sommer 2013 in Dotzigen. Unter fachlicher Begleitung schwärmten im Juni und August die 7. bis 9. Klassen aus Diessbach aus, um Neophyten von Hand auszureissen. Die Einsätze in Dotzigen tragen Früchte, es ist bereits eine massive Reduktion der invasiven Pflanzen sichtbar. Um die Neophyten erfolgreich zu bekämpfen, werden über fünf bis sechs Jahre regelmässig drei oder vier Einsätze durchgeführt.

neophytenbekaempfung2.jpg

Drüsiges Springkraut wohin das Auge reicht.

neophytenbekaempfung.jpg

Das Gebiet des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojektes Alte Aare wurde im Sommer 2014 kartiert. Das heisst, vom Land aber auch vom Wasser aus wurde systematisch nach Neophyten Ausschau gehalten und Vorkommen auf einer Karte eingezeichnet.
Als erste bauliche Massnahme im Studegrien (Baulos 1) wurde der Japanische Staudenknöterich bekämpft. Er verbreitet sich über seine bis zu zwölf Meter langen Wurzeln. Deshalb musste das belastete Gebiet grossräumig ausgehoben werden.

neophyten_studegrien.jpg

Das ausgehobene Material wurde in einer Grube deponiert. Damit sich der Knöterich nicht weiter ausbreitet, muss das belastete Material mit einer zehn Meter dicken Schicht überdeckt sein.
Die Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs erweist sich als sehr schwierig. Bereits kleinste Stücke der Pflanze und deren Wurzeln können zu neuen Trieben gedeihen. Eine Baumaschine zum Beispiel, die zur Bekämpfung eingesetzt wird, muss äusserst gründlich gereinigt werden. Dies stellt sich jedoch auf dem Feld meist als sehr schwierig bis unmöglich heraus. Auch im Studegrien hat dies nicht einwandfrei funktioniert. Nach den Bauarbeiten sind bereits wieder mehrere Triebe sichtbar, die wiederum ausgerissen und entsorgt werden müssen.

Schwarze Liste Neophyten